Mein Weg mit Felix
Felix begleitet mich schon fast mein halbes Leben. Unser Weg war nicht einfach. Wie wir es trotzdem geschafft haben erzähle ich euch hier
Nachdem ich einige reizvolle Angebote für Reitbeteiligungen an Turnierpferden bekam, stiess ich auf eine Anfrage für ein Pony. Beschrieben wurde er mir als gut ausgebildet, 12 Jahre alt und gesund, mit sehr vielen Freiheiten wie ein eigenes Pferd, da sich niemand so wirklich für ihn interessiere.
Ich verabredete mich zu einem Besichtigungstermin. Als ich dort ankam, traf ich ein 1.35 grosses Isländer- Mix Pony, welches in einer sehr kleinen Box eingepfercht war. Ich war schon immer ein Herzensmensch was meine Tiere angeht und als ich dieses Pony anschaute, sagte mein Herz, dass dies der richtige Weg sein wird.
Schnell wurde mir klar, dass ich hier ein sehr traumatisiertes Problempferd vor mir habe, welches mit den Menschen komplett abgeschlossen hatte. Er biss, trat nach Menschen und war im Grossen und Ganzen überhaupt nicht handlebar. Bei unserem ersten Ritt, bockte er bereits und es stellte sich heraus, dass er ein kompletter Durchbrenner war. Trotzdem blieb ich bei ihm.
Nach einiger Zeit, musste ich realisieren, dass mein ganzes erlerntes Wissen in diesem Falle nichts half.
Also versuchte ich die Pferde besser zu verstehen. Ich verbrachte Stunden damit, auf der Weide zu sitzen und mein Pflegepony zu beobachten in seiner natürlichen Umgebung. Ich las schon immer viele Bücher und ich befasste mich somit mit verschiedensten Reitmeistern und probierte aus. Heute inspiriert mich die Arbeit von Reitern wie Buck Brannaman und Philippe Karl.
Ich machte mit Felix grosse Fortschritte. Leider stellte sich irgendwann heraus, dass er doch älter ist als angegeben und auch viele körperliche Baustellen hat. Da seine Haltung zu diesem Zeitpunkt nicht sehr Artgerecht war, verbrachte ich zB. Ein ganzes Jahr damit ihn nur zu pflegen aufgrund einer Sehnenverletzung welche nicht behandelt wurde.
Nach einem Unfall des Stallbetreibers & Besitzers von Felix, bekam ich die Chance ihn nach 3.5 Jahren zu kaufen, was meine Eltern mir von meinem Sparkonto und dem Lohn meiner Lehre ermöglichten.
Mit viel Geduld und sehr viel Zeit (Auch von meinen Stallbetreibern, Hufpflegern etc.) schaffte ich es aus dem einst agressiven Pony welches auf Kinder und Männer los ging, ein freundliches Pony zu erschaffen, welches gut geritten war. Egal was es war, mit Felix konnte ich Alles machen. Halsringreiten, Zirkustricks, lange Ausritte, Gebisslos etc. alles kein Problem. Er folgt mir wie ein Hund überall hin.
Heute; 11.5 Jahre nach unserem Kennenlernen, vielen Verletzungen und noch mehr Erinnerungen, darf Felix mit fast 30 Jahren seine Wohlverdiente Rente geniessen. Regelmässig darf er meinen Hund und mich auf Spatziergänge begleiten und sich bei etwas Bodenarbeit austoben.
Zeitgleich, durfte ich meine Mutter auch bei der Ausbildung ihrer jungen Aztek Stute unterstützen, welche leider 2017 nach einem schweren Unfall, gefolgt von Belastungs- Medikamenten Hufrehe mit 6 Jahren erlöst werden musste.